Das Kuratorium der Salzburger Festspiele beraumte eine außerordentliche Sitzung an. Bürgermeister Auinger zeigt sich irritiert über den Intendanten, Landeshauptfrau Edtstadler zeigt ihm »die gelbe Karte«. Grund sind unter anderem Unklarheiten bei der Besetzung der Schauspielleitung.
English summary: Power struggle at the Salzburg Festival: After an extraordinary board meeting called by Governor Karoline Edtstadler, political leaders sharply criticized artistic director Markus Hinterhäuser. He faces accusations of favoring his friend Karin Bergmann for drama chief without a proper application, raising doubts about transparency and his future at the festival.
Außerordentliche Sitzungen des Kuratoriums der Salzburger Festspiele deuten oft Unstimmigkeiten an. So auch an diesem Dienstag, als Salzburgs Landeshauptfrau Karoline Edtstadler das Gremium einberief. Drei Stunden dauerte das Treffen, bei dem Präsidentin Kristina Hammer, der kaufmännische Direktor Lukas Crepaz und Intendant Markus Hinterhäuser nicht anwesend waren. Zu besprechen gab es – einmal mehr – das Verhalten von Festspiel-Intendant Markus Hinterhäuser. Am Ende stand scharfe Kritik der Politik am Intendanten.
Die Salzburger Nachrichten hatten als erste über einen »drohenden Konflikt« berichtet. Anlass sei die Neubesetzung der Schauspielleitung und ein Interview, das der Intendant der Österreichischen Kronenzeitung gegeben haben soll. In dem Gespräch mit der Zeitung bestätigte Hinterhäuser angeblich, dass Karin Bergmann eine der Finalistinnen im Auswahlverfahren um die Stelle der Schauspielchefin sei. Die 72-jährige leitete von 2014 bis 2019 das Wiener Burgtheater und verantwortet seit 2022 die Leitung Theater/Literatur der Salzkammergut Festwochen Gmunden. Bergmann sei eine »große Favoritin«, soll Hinterhäuser gesagt haben, »eine liebe Freundin, die sich immer wieder entscheidend zu Theaterfragen geäußert hat.«
Bervorzugung der Favoritin?
Das Problem: Andere Medien hatten berichtet, dass Bergmann offenbar gar nicht am Hearing teilgenommen und sich auch nicht offiziell um die Stelle der Schauspielleitung beworben haben soll. Wollte Hinterhäuser seine Kandidatin am offiziellen Ausschreibungsverfahren vorbei installieren? Nach der Kuratoriumssitzung am Dienstag gab es Klarheit in der Sache: Salzburgs Bürgermeister Bernhard Auinger bestätigte im ORF, dass Bergmann sich tatsächlich nicht dem Auswahlprozess gestellt habe.
Um so befremdlicher mutet es an, dass der Intendant eine konkrete Antwort auf die Frage der Salzburger Nachrichten, ob Bergmann beim Hearing dabei war, schuldig blieb. Auf die Frage, ob er in der Kronenzeitung richtig zitiert worden sei, ließ die Pressestelle der Festspiele wissen, dass man sich zu Zeitungsartikeln nicht äußere. Auch das ist – gelinde gesagt – eine merkwürdige Antwort. Wollte Hinterhäuser hier sein eigenes Handeln kaschieren?
Eigentlich wollten die Festspiele in der Besetzung der Schauspielsparte dieses Mal besonders transparent sein. Es sollte eine Ausschreibung stattfinden, und das Kuratorium sollte transparent über den Findungsprozess informiert werden. Auch weil die Entlassung von Vorgängerin Marina Davidova für allerhand Querelen gesorgt hatte und selbst zu einem medialen Spektakel wurde. Unter anderem, weil Davidova Hinterhäuser schlechten Stil vorwarf, und sich der Intendant gegenüber dem Kuratorium schriftlich erklären musste.
Politiker sind skeptisch

Nun scheint Hinterhäusers Verhalten bei den politischen Trägerinnen und Trägern der Festspiele zunehmend auf Unverständnis zu stoßen und für Unmut zu sorgen. Hinterhäuser müsse sich bei der nächsten planmäßigen Kuratoriumssitzung am 26. Februar »erklären«, forderte Landeshauptfrau Edtstadler laut ORF. »Denn ein besonders vertrauensvolles Vorgehen war das, um ehrlich zu sein, nicht.« Anschließend müsse man besprechen, »welche Konsequenzen sich daran anknüpfen.«
Salzburgs Bürgermeister Bernhard Auinger sagte bereits im Vorfeld der Sitzung im ORF: »Es ist schon irritierend, wenn das Kuratorium den Auftrag gibt, ein transparentes Hearing zu veranstalten, und dann erfährt das Kuratorium aus den Medien, wer es werden soll. Deshalb hat die Landeshauptfrau auch zu diesem außerordentlichen Termin geladen«. Die Unzufriedenheit des Salzburger Politikers zeigt sich auch in seiner Einschätzung, dass es »ja nicht das erste Mal« sei und es klare Regeln gebe, die das Kuratorium festgelegt habe. »Auch darüber werden wir heute reden müssen«, sagte Auinger dem ORF.
Nach der Kuratoriumssitzung sagte er: »Wir waren uns – glaube ich – alle sehr einig: Was macht das in der Öffentlichkeit für ein Bild, wenn sich gute Kandidatinnen und Kandidaten beworben haben und dann erfahren sie aus den Medien, dass jemand die erste Wahl des Intendanten ist, der sich gar nicht dem Bewerbungsprozess unterzogen hat? Ich glaube, das kann man nicht akzeptieren.«
Dass Landeshauptfrau Edtstadler überhaupt eine Kuratoriumssitzung einberufen hatte, zeigt, dass der Frust über Hinterhäuser steigt. In anderer Sache hatte BackstageClassical Edtstadler bereits im Dezember über ihr Verhältnis zu Hinterhäuser angefragt und eine eher ausweichende Antwort bekommen. Es kursierte das Gerücht, dass die Landeshauptfrau den Intendanten zur Rede gestellt haben soll, da der sie in privatem Umfeld herabgewürdigt habe. Der Sprecher der Landeshauptfrau bestätigte oder dementierte dieses Gerücht damals nicht, erklärte mit Bezug auf eine Sitzung des Kuratoriums, in der unter anderem auch Hinterhäusers Umgang mit Davidova Thema war, allerdings: »Sitzungen des Festspielkuratoriums sind nicht öffentlich. Bezüglich medial aufgebrachter Vorwürfe das Verhalten des künstlerischen Intendanten betreffend wurde nach den letzten beiden Sitzungen des Kuratoriums von der Vorsitzenden bzw. der Landeshauptfrau bereits öffentlich Stellung bezogen.«
Vertrauensbasis steht in Frage
Tatsächlich hatte Edtstadler im Oktober, als Davidovas Vorwürfe öffentlich wurden, lediglich erklärt: »Das Kuratorium nimmt solche Vorwürfe ernst und wird die Situation umfassend beurteilen.« Wie genau ihre Beurteilung ausgefallen ist, wissen wir nicht. Auch das ist kein Zeichen für Transparenz, die Salzburg sich angeblich auf die Fahnen geschrieben hat.

Inzwischen scheint Edtstadler die Daumenschrauben für Hinterhäuser anzuziehen: »Es gab hier schon öfter Diskussionen, was das Miteinander im Direktorium und auch mit dem Kuratorium betrifft«, sagte sie ebenfalls beim ORF. »Ich finde schon, dass man diese Dinge besprechen muss. Es gilt hier, einen Weltruhm zu verteidigen, es ist ein Festival zu gestalten. Es stehen notwendige und wirklich umfangreiche Bau- und Ausbauarbeiten an – da braucht es Zusammenhalt. Da braucht es Vertrauen zueinander. Und das sehe ich im Moment nicht im vollen Umfang gegeben, das möchte ich ganz klar sagen. Das ist – wenn Sie so wollen – auch eine Gelbe Karte für ihn. Aber ich sage auch dazu: Wir wollen die andere Seite, nämlich den Intendanten, auch persönlich anhören.«
Es wird spannend, ob das Kuratorium Karin Bergmann – trotz allen Hickhacks – als Schauspieldirektorin durchwinkt, oder es nun zu einer Eskalation mit Hinterhäuser kommen lässt. Vertraglich darf der Intendant allein entscheiden, wen er für den Posten besetzen will. Allerdings braucht er die Zustimmung des Kuratoriums, wenn das Gehalt des Chefpostens die Grenzen zur Bewilligungspflicht überschreitet. Und das ist sehr wahrscheinlich der Fall.
Kommt es zum Machtkampf?
Bis Ende Februar soll über die Schauspiel-Personalie entschieden werden. Dann läuft auch die Bewerbungsfrist für den Posten des (oder der) Festspielpräsidenten ab. Es ist anzunehmen, dass die amtierende Präsidentin, Kristina Hammer, sich erneut bewerben wird. Ihre Zusammenarbeit mit Hinterhäuser verlief – gelinde gesagt – nicht immer problemlos, auch, wenn die beiden öffentlich immer wieder beteuern, an einem Strang zu ziehen. Eine Verlängerung Hammers könnte man als Schwächung Hinterhäusers verstehen.
All diese Querelen beschäftigen die Festspiele mitten in Zeiten großer Herausforderungen. Man steht vor einem Giga-Umbau, und der finanzielle Druck durch staatliche Sparmaßnahmen steigt. Es wäre wichtig, gerade jetzt ein Präsidium zu haben, das klar, dialogisch und geeint in die Zukunft geht und keinen Festspiel-Intendanten, der durch ungeschickte Machtspiele politisches und gesellschaftliches Vertrauen verspielt. Dass aufgrund von Intendant Hinterhäuser eine außerordentliche Sitzung des Kuratoriums einberufen werden muss, ist kein gutes Zeichen.
Vorzeitiges Aus für Hinterhäuser?
Um so deutlicher sind die Worte von Edtstadler, die nicht ausschloss, dass Hinterhäuser vor seinem Vertragsende gehen könne. »Es gibt hier eine Ausstiegsklausel. Es gibt auch andere Klauseln, die hier vorgesehen sind«, sagte die Landeshauptfrau, »und über die wird man sprechen wollen. Voraussetzung ist bei einem Kulturfestival dieser Weltdimension ein vertrauensvolles Vorgehen. Und das sehe ich im Moment nicht gegeben bzw. erschüttert – auch durch die Meldungen und kolportierten Informationen in den Medien.«
Der Vertrag des Intendanten wurde erst kürzlich bis 2031 verlängert – mit einer beidseitigen Auflösungsmöglichkeit zum 30. September 2029. Unter den aktuellen Bedingungen sind beides sehr lange Zeiträume. Der politische Wille, Hinterhäusers Art der Amtsführung zu tolerieren, scheint zu schwinden.
Der Text wurde um 22:18, nach dem Ende der Kuratoriumssitzung um die Ergebnisse erweitert.

