Traditionsverlag Doblinger wird Teil der Wise Music Group

Januar 15, 2025
1 min read
Verlagsgründer Bernhard Herzmansky (Foto: Doblinger)

Der Wiener Verlag gibt seine Eigenständigkeit auf, bleibt aber in Österreichs Hauptstadt.

English summary: After 150 years, Vienna’s Doblinger music publisher joins London-based Wise Music Group due to market challenges. The brand and Vienna site remain, with operations centralized in Leipzig.

Nach fast 150 Jahren in Familienbesitz gibt der Wiener Musikverlag Doblinger seine Eigenständigkeit auf und schließt sich der Wise Music Group mit Sitz in London an. Wie der bisherige Eigentümer Peter Pany im Standard mitteilte, sei es für unabhängige Verlage zunehmend schwer, im globalisierten Markt zu bestehen. Doblinger, bekannt für Werke von Friedrich Cerha, Gottfried von Einem und Joseph Beer, bleibt als Marke erhalten, ebenso der Standort in Wien. Die Rechte und das Leihmaterial für Bühnen- und Orchesterwerke werden künftig von Leipzig aus verwaltet, wo Wise seine europäischen Aktivitäten bündelt.

Doblinger gilt als Hüter österreichischer Musiktradition und vereint Barock, Wiener Klassik und Exilmusik mit zeitgenössischen Kompositionen. Der Verkauf erfolgte mangels familiärer Nachfolge, doch Pany, der dem Verlag seit 2009 vorstand, bleibt Wise als Berater verbunden. Die Corona-Krise und fehlende öffentliche Förderung für Musikverlage hätten die Entscheidung beschleunigt.

Wise Music, die bereits die deutsche Peters Group übernommen hat, kontrolliert über eine halbe Million Urheberrechte und plant weitere Expansionen. Trotz Konzentration im Markt betonte die Universal Edition, ein weiterer Wiener Traditionsverlag, dass keine Übernahme durch Wise geplant sei.

BackstageClassical

BackstageClassical bringt Ihnen Debatten und Nachrichten aus der klassischen Musik. Die Seite ist kostenfrei. Bestellen Sie unseren Newsletter oder unterstützen Sie unseren unabhängigen Musikjournalismus durch Ihre Spende.

Fördern

Artikel auf BackstageClassical sind kostenlos. Wir freuen uns, wenn Sie unabhängigen Klassik-Journalismus fördern.

Mehr aktuelle Artikel

Donald, Yannick, Lorenzo und Bert

Heute geht es im Newsletter um einen Ausblick auf das, was im neuen Jahr wichtig wird, ein Plädoyer für mehr Tiefe und um neue Klassik-Protagonisten.

Venezuela, Grönland, Kennedy-Center

Donald Trump entführt den Präsidenten von Venezuela und überlegt, Grönland zu annektieren. Das Kennedy Center in Washington hat er schon lange in seine Propagandamaschine integriert. Die kleine Geschichte einer großen Übernahme. 

Wie Konrad und Louis sich zum Bert machen

Konrad und Louis sollen die ARD-Klassik aufmischten und sorgen für Fremdscham. Dabei macht Opera Bert vor, dass Klassik so bedeutsam sein kann wie das Lackieren von Fingernägeln.

Er machte die Metropolitan Opera stark

Der Werber Bruce Crawford, einst Chef der Metropolitan Opera und später Vorsitzender des Lincoln Center, prägte New Yorks Opern- und Musikwelt über Jahrzehnte. Er starb mit 96 Jahren in Manhattan.

»Klassik war nie populär«

Einst wollte Pierre Boulez Opernhäuser in die Luft sprengen. Aber der Klassik-Provokateur wurde besonnener, in diesem historischen Interview dachte er sogar darüber nach, eine Oper zu schreiben. Außerdem erklärt er seine Bayreuth-Tempi.

Wider den Klassik-Zirkus 

Viele Klassik-Veranstalter wollen die Erwartungen des Publikums bedienen und verkaufen die Musik an das Event. Aber gerade in dieser Zeit brauchen wir Wissen, Abgründe und Gegenrede — so dringend wie nie.  Wir