Sie sind die gewissenhafte Klassikstimme der Washington Post. Keiner, der große Themen ausgräbt, der Musik in die Mitte der Gesellschaft stellt – aber ein guter Kritiker. Einer der alten Schule.
Nun müssen Sie ihren Hut nehmen. Sie passen nicht mehr in die Welt Ihres Herausgebers. Klassik spielt im Streichkonzert von amazon-Mann Jeff Bazos die erste Geige. Und als Konzertmeister der Kritiker müssen Sie als erster das sinkende Zeitungsschiff verlassen.
In Deutschland ist es ja ähnlich. Wie viele Klassik-Redakteure hatte die FAZ einmal? Heute schreiben hier in erster Linie noch Klassik-Rentner – eher für den Fame als für die Kohle.
Sechs Jahre haben Sie die Musik in Washington begleitet. Nie waren Sie so wichtig wie heute, da Trump die Türen des Kennedy Center in Ihrer Heimatstadt für Oper und Orchester schließt.
Aber vielleicht ist das gute alte Feuilleton auch einfach kein Ort mehr, um die Welt der Musik zu ordnen und zu begleiten. Vielleicht müssen wir einfach wieder aus der Nische sexy werden. Unsere Kultur ist für die Bezos unserer Medienwelt nur noch ein kostspieliges Appendix – ein tauber Blinddarm, den man einfach wegschneiden kann.
Aber lassen Sie den Kopf nicht hängen. Bei uns in der journalistischen Klassik-Nische ist gerade sehr viel los! Tolle neue Stimmen. Spannende Themen, die Musik mit der Welt verbinden, neue Medien von Podcast bis YouTube. Lassen Sie die Washington Post in Ruhe sterben – willkommen bei unserer Party!


