Österreich will Currentzis höchste Auszeichnung verleihen

Oktober 22, 2025
2 mins read
Der Dirigent Teodor Currentzis (Foto: SWR)

Auf Antrag von Österreichs Vizekanzler und Kulturminister Andreas Babler soll der umstrittene Dirigent in der »Kurie für Kunst« aufgenommen werden. 

English summary: Austrian Vice Chancellor and Culture Minister Andreas Babler has proposed awarding Russian-Greek conductor Teodor Currentzis Austria’s highest cultural honor by admitting him to the “Curia for Art.” The President’s office confirmed receipt of the proposal, surprised to learn of it via media. Currentzis is controversial for ties to Gazprom- and VTB-funded ensemble MusicAeterna and his silence on Russia’s war in Ukraine. Babler defends the nomination, rejecting “cancel culture” and emphasizing artistic merit over political stance. Currentzis, who took Russian citizenship after Crimea’s annexation, faces criticism for links to Putin’s circle. The President must follow government proposals, though no comment has yet been issued.

Österreichs Vizekanzler und Kulturminister Andreas Babler will dem russisch-griechischen Dirigenten Teodor Currentzis die höchste Kulturauszeichnung der Republik Österreich verleihen. Babler hat den Antrag beim Bundespräsidenten Alexander van der Bellen eingereicht, Currentzis in die Österreichische »Kurie für Kunst« aufzunehmen. 

Auf Anfrage von BackstageClassical bestätigte das Büro des Bundespräsidenten den Eingang des Antrags am heutigen Mittwoch. Man sei allerdings überrascht gewesen, dass man von dem Vorschlag zunächst aus der Presse (der Kurier hat berichtet) und nicht vom Vizekanzler selber unterrichtet worden sei, heißt es aus Kreisen des Bundespräsidialamtes. 

Teodor Currentzis ist umstritten, weil sein russisches Ensemble MusicAeterna Gelder von Gazprom und der in Europa sanktionierten VTB-Bank erhalten hat, und weil der Dirigent zu Putins Angriffskrieg gegen die Ukraine schweigt. 

Babler: »Unterstellte politische Positionen«

Auf BackstageClassical-Anfrage erklärte das Büro von Andreas Babler: »Dass Currentzis es vorzieht zum russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine zu schweigen, ist bedauerlich, aber kein Kriterium. Er ist Dirigent und kein Politiker. Cancel Culture – insbesondere aufgrund von Schweigen und unterstellten politischen Positionen – halten wir nicht für sinnvoll.« Tatsächlich hatte Teodor Currentzis Europa gegenüber dem Nachrichtenmagazin Der Spiegel erst kürzlich kritisiert und gefragt: »Wie kann es sein, dass es in Europa keine Redefreiheit mehr gibt?«

Zudem heißt es in den Bedingungen zur Aufnahme in der Kurie explizit: »Gefragt ist eine wechselseitige geistige Interaktion durch die Diskussion von aktuellen Problemen im Bereich Wissenschaft oder Kunst. Ebenso die Förderung der Integration von Wissenschaft und Kunst einerseits und der Gesellschaft andererseits durch Meinungsäußerungen zu aktuellen und relevanten Anliegen.«

Kommentar von Axel Büggemann

Der griechische Dirigent Teodor Currentzis hat nach der Annexion der Krim die russische Staatsbürgerschaft angenommen, im Kuratorium seines Ensembles MusicAeterna saßen unter anderem der Chef der VTB-Bank, der Putin-nahe Gouverneur von Sankt Petersburg und die ebenfalls eng mit dem Regime verbundene Leiterin der russischen Nationalbank.

Auf die Frage, wie derartige Verbindungen mit dem Selbstverständnis des Vizekanzlers und der Republik Österreich in einer Zeit zusammengehen, in der die Ukraine mit erheblichen Angriffen aus Russland zu kämpfen hat, antwortet Babler nicht direkt. Stattdessen lässt er BackstageClassical wissen: »Für die Aufnahme in die Kurie der Kunst steht herausragendes künstlerisches Schaffen im Vordergrund, keine fehlende politische Positionierung.«

Van der Bellen ist ans Gesetz gebunden

Das Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst ist die höchste Auszeichnung für wissenschaftliche und künstlerische Leistungen in Österreich. »Die Träger dieses Ehrenzeichens sind Mitglieder der Kurien für Wissenschaft und Kunst. Ihre Anzahl beschränkt sich auf jeweils 18 österreichische und 18 internationale Persönlichkeiten. Der Vorschlag, Currentzis in die Kurie aufzunehmen, liegt schon mindestens seit 2023 vor, damals hatte noch der Architekt Wolf D. Prix den Vorsitz, CEO des international tätigen österreichischen Architekturbüros Coop Himmelb(l)au, das mit der Planung großer Kulturbauten in Sewastopol und Kemerowo und eines Sport- und Event-Komplexes in Sankt Petersburg in die Kritik geriet.

Laut Gesetzeslage sei der Bundespräsident der Republik Österreich verpflichtet, dem Vorschlag der Regierung zu folgen, heißt es aus dem Bundespräsidialamt: »Die Ehrenzeichen, die mit einer Wahl einher gehen, werden vom Bundespräsident verliehen.« Eine persönliche Stellungnahme zur Personalie Currentzis vom Bundespräsidenten liegt indes nicht vor. Auch Anfragen an Mitglieder der »Kurie für Kunst« wie an den Regisseur Michael Haneke, die Komponistin Olga Neuwirth oder den estnischen Komponist Arvo Pärt blieben bis heute Nachmittag vorerst unbeantwortet. 

Lesen Sie hierzu auch unseren Kommentar

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