Wie Rossini den ESC sprengte

Juni 4, 2025
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Espresso Macchiato – oder alles nur geklaut?

Klassik war beim ESC das Leitmotiv: Nicht nur durch JJ, sondern auch durch Tommy Cashs Raubbau an Rossini.

English summary: At Eurovision in Basel, Austria’s JJ won with a pop-opera blend, Wasted Love. Estonia’s Tommy Cash caused a stir with Espresso Macchiato, humorously referencing Rossini’s Barber of Seville.

Klassische Musik war das Leitmotiv beim Eurovision Song Contest in Basel. Während der österreichische Countertenor JJ mit seinem Siegertitel Wasted Love Oper und Pop verschmolz und damit europaweit für Gänsehaut sorgte, bezieht sich der estnische Beitrag Espresso Macchiato von Tommy Cash für Aufsehen durch seine ironische Anspielung auf Rossinis berühmte Ouvertüre aus Der Barbier von Sevilla.

Der Song von Tommy Cash, der in Italien für Entrüstung sorgte, weil er zahlreiche Klischees bedient, zitiert im Refrain die eingängige Melodie von Rossini – allerdings in halber Geschwindigkeit, bevor das Originalmotiv folgt. Aber all das macht durchaus Sinn, als Zitat von Rossinis Humor.

Ganz anders der österreichische Sieger JJ: Der 24-jährige Wiener präsentierte mit Wasted Love eine moderne Pop-Oper, die von klassischer Ausbildung und Opernmagie geprägt ist. JJ ist klassisch ausgebildet und studiert Sologesang an der Wiener Musik und Kunst Privatuniversität. Sein Song wurde vom Budapest Scoring Orchestra begleitet und vereint klassische Elemente mit modernem Elektropop.

Axel Brüggemann

Axel Brüggemann arbeitet als Autor, Regisseur und Moderator. Er war als Kulturredakteur und Textchef bei der Welt am Sonntag tätig und schrieb danach für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. Heute veröffentlicht er u.a. im Tagesspiegel, im Freitag, der Jüdischen Allgemeinen oder in der Luzerner Zeitung. Er arbeitet für Radiosender wie den Deutschlandfunk, den WDR oder den HR. Seine Fernsehsendungen und Dokumentationen (für ARD, ZDF, arte oder SKY) wurden für den Grimmepreis nominiert und mit dem Bayerischen Fernsehpreis ausgezeichnet. Brüggemann schrieb zahlreiche Bücher u.a. für Bärenreiter, Rowohlt, Beltz & Gelberg oder FAZ Buch.

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