»Israel und Gaza brauchen eine neue Regierung«

Mai 8, 2024
1 min read
Die Sopranistin Chen Reiss

Die Sopranistin Chen Reiss über den Krieg Israels, den Brexit und die Kultur. Warum Beethoven uns Hoffnung geben kann.

Gestern hat Chen Reiss gemeinsam mit dem Orchester Wiener Akademie unter Martin Haselböck Beethovens Neunte in Wuppertal aufgeführt – die große 200. Jubiläums-Gala des Beethovenhauses Bonn. Im Gespräch mit Axel Brüggemann spricht Chen Reiss über Beethoven, ihre Zeit als Soldatin in der israelischen Armee, über die aktuelle Situation in Israel, darüber, was der Brexit für die Klassik bedeutet und warum wir gerade in dieser verrückten Welt die Musik von Beethoven brauchen. (Hier der Podcast für alle Formate)

»Guten Morgen ….« Abonnieren Sie unseren Podcast für den Weg zur Arbeit

Hier die wichtigsten Statements des Podcasts:

Chen Reiss’ Großeltern sind 1939 in letzter Minute als Juden vor den Nazis aus Ungarn nach Israel geflohen. »Sie haben ihre ganze Familie im Holocaust verloren und mir immer wieder über die Geschichte erzählt. Heute denke ich, dass ich in einem Horror-Film lebe: Ich spüre, was sie auch gespürt haben müssen. Ich spüre die Vorurteile über Juden, den Hass. Und ich bin in der Situation, mein Recht auf Leben schützen zu müssen. Ich mache mir Sorgen über die Zukunft meiner Kinder. Eigentlich über die Zukunft alle Kinder: Es beginnt gerade mit dem Hass auf Juden – aber es wird weiter gehen.«

Reiss selber wurde in der Armee ausgebildet, ebenso wie ihr Vater und ihre Geschwister. Sie sagt: »Mein Bruder ist jetzt im Militär. Er wurde am 8. Oktober einberufen, ist sieben Monate an der Front und musste mit 30 Jahren sein Studium der Psychologie unterbrechen. Jetzt befindet er sich seit sieben Monaten in einer lebensbedrohlichen Situation. Das Leben vieler Israelis ist an einem Tag zerstört worden. Wir kämpfen um unsere Existenz. Ich bin sicher, dass unser Militär alles tut, um menschlich zu bleiben und so wenig Zivilisten wie möglich zu verletzen. Ich habe für die aktuelle Situation auch keine Lösung. Aber ich weiß, dass beide Seiten – Israel und Gaza – eine neue Regierung brauchen. Leute, die nicht korrupt sind, sondern einfach nur sehen, was gut für die Menschen ist.«

BackstageClassical

BackstageClassical bringt Ihnen Debatten und Nachrichten aus der klassischen Musik. Die Seite ist kostenfrei. Bestellen Sie unseren Newsletter oder unterstützen Sie unseren unabhängigen Musikjournalismus durch Ihre Spende.

Fördern

Artikel auf BackstageClassical sind kostenlos. Wir freuen uns, wenn Sie unabhängigen Klassik-Journalismus fördern.

Mehr aktuelle Artikel

Liebe Künstlerinnen und Künstler,

dieses Mal war es das Berliner Boulevard-Blatt BZ, das die Kosten-Rechnung aufgemacht hat: Während man in der Hauptstadt durchschnittlich 62,20 Euro für ein Opernticket hinblättert, zahlt der Staat für jedes verkaufte Ticket noch mal 251,60

Mickischs Leitmotiv-Erbe in Buchform

Bei seinem ersten Bayreuth-Besuch traf Stephan Knies den Wagner-Experten Stefan Mickisch. Aus seiner Leidenschaft für Wagners Leitmotive entstand nun ein Buchprojekt, das seine einzigartige Analyse des »Rings« fortführt und erstmals in Buchform

Theater Chemnitz wehrt sich gegen Sparmaßnahmen

Die Theaterleitung der Städtischen Theater Chemnitz warnt vor massiven Einschnitten für das künstlerische Angebot, sollte der Vorschlag umgesetzt werden, alle Sparten künftig nur noch im Opernhaus zu bündeln und das Schauspielhaus aufzugeben.

Opernhäuser beraten Umbauten

Die führenden Opernhäuser im deutschsprachigen Raum trafen sich in München, um enger bei teuren Sanierungen und Interimsspielstätten zusammenzuarbeiten und ihre künstlerische Kontinuität zu sichern.

Graben im Klang des Schicksals

In der Komischen Oper Berlin treffen MOOR MOTHERs radikale Klangkunst und Tschaikowskis fünfte Symphonie aufeinander. Ein Abend über kollektive Erinnerung, Befreiung und die tiefen Resonanzen von Trauma und Triumph in Musik.

Anna Handler geht nach Los Angeles

Die deutsch-kolumbianische Dirigentin und Pianistin Anna Handler wird ab der Saison 2026/27 »Conductor-in-Residence« beim Los Angeles Philharmonic.

Probier doch mal was Neues!

Jeder will eine Stradivari. Wirklich jeder? Es gibt großartige Instrumente, die heute gebaut werden. Im BackstageClassical-Podcast erklärt Geigenbauerin Julia Pasch, warum ein neues Instrument durchaus Vorteile für Solisten aber auch für Orchester

Lieber Teodor Currentzis,

ich habe mich lange genug an Ihnen abgearbeitet. Besonders, als Sie noch SWR-Kohle von unseren öffentlich-rechtlichen Rundfunkgebühren kassiert haben und Ihr russisches Ensemble gleichzeitig Rubel von Gazprom und der VTB-Bank abgegriffen hat. 

Liebe Oper,

Du hast es auch nicht immer leicht. Was für schöne Namen haben wir Dir schon gegeben! Du warst unser »Kraftwerk der Gefühle« (Alexander Kluge),  »Debattenort unserer Städte« oder – ganz früher –

Verpassen Sie nicht ...