Kassel feuert Verwaltungsdirektor

September 13, 2024
1 min read
Das Theater in Kassel: Hier tobt gerade ein Machtkampf (Foto: BC)

Kassels Verwaltungsdirektor Dieter Ripberger war erst im Februar aus Tübingen gekommen – nun wehrt er sich gegen seien Rauswurf. Er bekommt Rückendeckung von Intendant Florian Lutz und dem Ensemble.

»Wer mit Ungeheuern kämpft, mag zusehn, dass er nicht dabei zum Ungeheuer wird. Und wenn du lange in einen Abgrund blickst, blickt der Abgrund auch in dich hinein.« Dieser Satz von Friedrich Nietzsche ist auf dem Facebook-Profil von Dieter Ripberger zu lesen. Nun wurde bekannt, dass der Geschäftsführer des Theater Kassel ohne Angabe von Gründen gekündigt wurde, und der Satz liest sich besonders bedrohlich.

Dieter Ripberger

Zunächst erreichte BackstageClassical eine Pressemeldung von Ripberges Rechtsanwalt: »Am Mittwoch dem 11.9.2024 hat mir das Hessische Ministerium für Wissenschaft, Forschung, Kunst und Kultur – für mich völlig unerwartet und aus heiterem Himmel – eine ‚Kündigung‘ meines Arbeitsvertrages als Geschäftsführender Direktor des Staatstheaters Kassel zugestellt«, hieß es darin. »Die ‚Kündigung‘ enthielt keinerlei Begründung. Nach meiner Auffassung ist diese ‚Kündigung‘ rechtlich unwirksam. Das Land Hessen als mein Arbeitgeber wurde bereits aufgefordert, diese ‚Kündigung‘ bis 15.9.2024 zurückzunehmen.«

Intendant Florian Lutz, der in letzter Zeit auf Grund seiner Querelen mit dem Orchester in der Kritik stand, zeigt sich ebenfalls erstaunt: »Die Zusammenarbeit mit Dieter Ripberger wurde von mir zu jedem Zeitpunkt als äußerst zugewandt, vertrauensvoll und kompetent erlebt«, lässt er sich zitieren. »Dies wurde mir auch von den meisten Abteilungsleitenden sowie Mitarbeitenden bestätigt, die persönlich mit ihm zu tun hatten. Insofern war ich fassungslos, als ich davon gehört habe, dass das HMWK den Vertrag unseres Geschäftsführenden Direktors jetzt kündigen könnte, und würde diesen Schritt als eine sinnlose Beschädigung unserer Arbeit am Staatstheater Kassel wahrnehmen.«

Ripberger, der erst im Februar vom Tübinger Zimmertheater nach Kassel wechselte, schrieb: »Sollte das Land Hessen dem nicht nachkommen, wird das zuständige Arbeitsgericht über die Rechtmäßigkeit der „Kündigung“ zu entscheiden haben. Ich sehe der sehr zeitnahen Rückkehr an meinen Arbeitsplatz im Staatstheater Kassel mit größter Zuversicht und Freude entgegen.« 

BackstageClassical

BackstageClassical bringt Ihnen Debatten und Nachrichten aus der klassischen Musik. Die Seite ist kostenfrei. Bestellen Sie unseren Newsletter oder unterstützen Sie unseren unabhängigen Musikjournalismus durch Ihre Spende.

Fördern

Artikel auf BackstageClassical sind kostenlos. Wir freuen uns, wenn Sie unabhängigen Klassik-Journalismus fördern.

Mehr aktuelle Artikel

Das Feuilleton lutscht den Drops

Caruso war ein genialer Werbeträger. Und ist es offenbar noch heute. Zwei große Feuilletons lutschen begeistert am neuen Caruso-Bonbon – und liefern dem Hersteller nebenbei die schönste Werbung.

Das Geschäft mit der Hoffnung junger Stimmen

1.099 Euro für Kontakte zur Opernwelt: Das Vienna Opera Lab verkauft jungen Sängerinnen und Sängern den Zugang zu einem begehrten Netzwerk. Nach Anfragen von BackstageClassical ziehen nun erste prominente Teilnehmer Konsequenzen –

Im Weltall wird es eng

Karlheinz Stockhausens Mittwoch aus Licht gerät an der Deutschen Oper Berlin zu einer kosmischen Messe. Musikalisch präzise und von hoher Qualität, verliert sich Susanne Kennedys Inszenierung zwischen klugen Impulsen, Überladung und Inhaltslosigkeit.

Marathonlaufen und Konzert spielen

Laufen und musizieren: Die Wiener Symphoniker und der Vienna City Marathon veranstalten 2027 erneut ihr »Konzert zum Marathon«. Läuferinnen und Läufer können sich ab sofort um einen Platz im Orchester bewerben.

Aus dem Archiv ins Leben

Vergessen, verschollen, nie aufgeführt: Die Ruhrtriennale holt mit Charles Tournemire und Roman Padlewski zwei fast ausgelöschte Komponisten zurück ins Licht – und macht daraus einen der musikalisch stärksten Abende des Festivals.

Das Ende einer Ära

Peter de Caluwe soll Intendant der Salzburger Festspiele werden. Das ist mehr als ein Personenwechsel: Es ist das Ende eines Systems der alten Salzburger Seilschaften. Ein Kommentar von BackstageClassical-Herausgeber Axel Brüggemann

Verpassen Sie nicht ...