Liebes Utopia-Orchester,

Mai 21, 2026
1 min read
Teodor Currentzis und sein Utopia Orchester. (Foto: Youtube)

es ist nicht nur die Musik, es kann auch das Bild sein, das viel über das Selbstverständnis eines Orchesters verrät! 

Gerade habt Ihr ein neues Video auf Instagram veröffentlicht, Werbung für Eure Tour. Mahler soll für den Bombast sorgen: Knallend und krachend – ohne Poesie, dafür mit radikaler Gewalt. Ein musikalisches Missverständnis – aber geschenkt!

Denn hier dreht es sich natürlich nicht wirklich um Mahler, sondern alles um Euren Dirigenten, um Teodor Currentzis. Keine Ahnung, ob er sich die Bilder bei Leni Riefenstahl oder Herbert von Karajan abgeschaut hat: Ein Orchester im geheimnisvollen Dunst, der Maestro singt und tanzt und wedelt dabei mit den Armen. Alle sehen: Ohne ihn geht nichts! Ein Messias, dem alle folgen: Gegenlicht, Trommelwirbel, Blech!!! Fortissimo. FORTISSIMOOOO!!!! Die Musiker im Schatten, der Erlöser im Licht.

WIR. HABEN. VERSTANDEN!

So ging Klassik-Fernsehen in den 70ern. So ging auch der Orchesterbetrieb in den 70ern. Aber heute haben wir 2026 – vielleicht solltet Ihr Eure Videos in Zukunft lieber bei Pornhub hochladen statt bei Instagram. 

Axel Brüggemann

Axel Brüggemann arbeitet als Autor, Regisseur und Moderator. Er war als Kulturredakteur und Textchef bei der Welt am Sonntag tätig und schrieb danach für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. Heute veröffentlicht er u.a. im Tagesspiegel, im Freitag, der Jüdischen Allgemeinen oder in der Luzerner Zeitung. Er arbeitet für Radiosender wie den Deutschlandfunk, den WDR oder den HR. Seine Fernsehsendungen und Dokumentationen (für ARD, ZDF, arte oder SKY) wurden für den Grimmepreis nominiert und mit dem Bayerischen Fernsehpreis ausgezeichnet. Brüggemann schrieb zahlreiche Bücher u.a. für Bärenreiter, Rowohlt, Beltz & Gelberg oder FAZ Buch.

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